Die Polizei hat versucht, die Rotlichtgröße Jan “Gianni” S. (31)
aus dem Verkehr zu ziehen. Der Einsatz wurde gestartet, nachdem Fahnder einen Tipp bekommen hatten, wonach sich der Chef des Saunaklubs “Tropicana” eine Pistole zugelegt haben sollte. Tatsächlich wurde eine scharfe Waffe des Kalibers neun Millimeter gefunden, die dem Mann gehören soll. In Haft sitzt “Gianni” S. aber zum Leidwesen der Polizei trotzdem nicht. Der Haftrichter ließ ihn laufen.
Wenn etwas über Waffen im Rotlichtmilieu bekannt wird, reagiert die Polizei schnell.
Denn seit einer wilden Schießerei im März an einer Tankstelle in Hammerbrook ist nicht nur bekannt, dass Hamburgs Luden gern schweres Kaliber tragen, sondern ihre Waffen inzwischen auch wieder einsetzen. Damals war es durch ein großes Missverständnis zu der Schießerei gekommen, wenn man Äußerungen aus der Szene glaubt.
Dennoch: Milieuangehörige rüsten seitdem auf, weil sie sich offenbar mit Waffe sicherer fühlen. Das dürfte auch auf “Gianni” zutreffen, der angeblich große Pläne hat. Als eine “neue Dimension des Sex-Vergnügens” werden seine Vorhaben bezeichnet. In Wandsbek
will er angeblich mithilfe von Investoren bis 2010 ein Erotik-Center errichten, das selbst die größeren Bordelle auf dem Kiez als kleine Betriebe erscheinen lässt und den an der Süderstraße geplanten Mega-FKK-Klub in den Schatten stellen soll. Sogar ein künstlicher Straßenstrich, so der Plan, soll innerhalb des Wandsbeker Komplexes entstehen.
Solche Vorhaben dürften im Rotlichtmilieu für Neid und Missgunst sorgen. Eine ähnliche Situation erlebte “Gianni” im September 2007 am eigenen Leib. Damals stürmte “Knochenbrecher” Marcel M. in seinen Laden. Es ging um Geld. Zwei Schüsse fielen im “Tropicana”. “Gianni” und eine Frau wurden dabei leicht verletzt.
Diesmal blieb es friedlich im “Tropicana”, als die Polizei im Rahmen der Aktion gegen den Chef dort auftauchte. Die Waffe, die “Gianni” gehören soll, fanden die Beamten nicht dort, sondern in einem Hotelzimmer. Dafür wurde im “Tropicana” Musa A. angetroffen. Der Türke soll dort jetzt die Fäden in der Hand haben, damit sich “Gianni” ganz auf seine neue Geschäftsidee konzentrieren kann.
Auch das dürfte Ermittler alarmieren. Denn Insider glauben zu wissen, dass es sich bei der Schießerei an der Tankstelle um eine Tat von Stellvertretern im Streit um Bordellanteile handelt, von denen Musa A. meint, dass sie ihm zustehen. Es geht danach um Millionen, die der Türke von seinem ehemaligen Kompagnon und dessen neuem albanischen Partner haben will.
Dafür soll Musa A. Getreue um sich versammeln. Der Mann ist im Milieu ein “Platzhirsch”. Mitte der 90er-Jahre galt er als der Kopf der aus kampfsportgestählten Migrantenkindern bestehenden “Gangster GmbH”, die sich auf dem Kiez unentbehrlich machte.
Es war damals eine wilde Zeit, in der viel Blut floss. Für den Schutz durch die “Gangster GmbH” soll Musa Anteile an Geschäften der Rotlichtszene bekommen haben. 2003, nach einer Haftstrafe, war er in die Türkei abgeschoben worden. Dass er wieder auftaucht, war in der Szene offenbar nicht einkalkuliert worden. Wohl auch deshalb sollen seine Beteiligungen “vergessen” worden sein. So dürfte Musa A. in Teilen der Rotlichtszene als Störfaktor angesehen werden. “Vielleicht”, munkelt man, “fühlt sich ,Gianni’ in dessen Nähe mit Kanone dann doch sicherer”. Eine Reportage von Vand Zakili